Photographie von Andrea Artz
Überleben in d-Moll
James Rhodes wurde als Kind jahrelang von einem Lehrer vergewaltigt. Er sagt, nur seine Liebe zur Musik habe ihn vor dem Tod bewahrt. Geschichte einer Heilung.
29. Dec 2016
Quelle: SPIEGEL 52/2016
In einer Nacht vor ziemlich genau zehn Jahren hört James Rhodes, Insasse einer Nervenheilanstalt, heimlich unter seiner Bettdecke Musik. Es ist ein Klavierstück, es dauert keine fünf Minuten, aber als es zu Ende geht, ist sein Leben ein anderes. Bis vor Kurzem wollte er es noch mit allen Mitteln vorzeitig beenden.
Rhodes war Anfang dreißig, als er auf die geschlossene Station einer psychiatrischen Klinik in London eingewiesen wurde. Er versuchte, Messer und Rasierklingen in sein Zimmer zu schmuggeln. Man nahm sie ihm ab. Er riss das Antennenkabel aus einem Fernseher und wollte sich daran aufhängen. Zwei Pfleger stoppten ihn.
Die Ärzte verordneten Rhodes die höchste Sicherheitsstufe, sie entfernten alles aus seiner Reichweite, was dazu taugt, sich zu töten. Er durfte nur unter Bewachung duschen.
Ein Freund kam zu Besuch, er brachte ein Geschenk, eine große Flasche Shampoo. Bei der Übergabe sagte er, Rhodes solle sie öffnen, wenn niemand guckt. In ein Tütchen gewickelt fand Rhodes darin einen iPod nano, voll mit Musik.
In dieser Nacht kriecht Rhodes unter die Bettdecke, steckt die Kopfhörer in die Ohren und drückt auf "Play". Er hört ein Stück, das er noch nicht kennt.
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